Die neue bayerische Mittelschule – ein Szenario

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Schuljahr 2010/11

Die Erfahrungen, welche diese Schulen und Gemeinden machen, werden sich im Laufe des Schuljahres unter den Interessierten in Bayern ausbreiten (Schulleiter, Bürgermeister, Verbände, Medien…).

Zu den negativen Erfahrungen werden folgende Erscheinungen gehören:

Im engeren Bereich der Schulen:

  • Mehr Arbeit für die Schulleiter
  • Abstimmungsprobleme der Schulbusse
  • Stundenplanprobleme
  • Verhaltensprobleme auswärtiger Schüler
  • Probleme bei der Verteilung des Budgets auf die verschiedenen Standorte
  • Konkurrenzgefühle zwischen Schulleitern, Schülern, Lehrern und Gemeinden
  • Die Lehrpläne, die zum neu konzipierten Mittelschulabschluss führen sollen, kommen gar nicht oder mit Verspätung oder sie sind mit heißer Nadel gestrickt und deshalb fehlerbehaftet.
  • Die Modularisierung in den Jahrgangsstufen 5 und 6 wird ihren Charakter als reine innere Differenzierung nicht verlieren und deshalb die Faszination des Innovativen nach und nach verlieren.
  • Die Modularisierung in den Jahrgangsstufen 7 und 8 wird nur in den wenigsten Fällen umgesetzt werden können, weil häufig das Stundenbudget dafür nicht ausreicht.

Im Bereich der Gemeinden:

  • Abstimmungsprobleme in den Schulverbünden, vor allem Finanzierungsfragen, aber auch die Schwierigkeit zu gemeinsamen Entscheidungen zu gelangen; dies um so mehr, wenn es um die Gewichtung der einzelnen Verbundsschulen geht.
  • Mehr Arbeit für die Schulämter, um die Interessen der einzelnen Schulen und Gemeinden zu verstehen, zum Tragen zu bringen und auszugleichen.

In der Wahrnehmung der Betroffenen:

  • Viele Eltern werden sich in unterschiedlicher Ausprägung der Tatsache bewusst, dass die neue Mittelschule im Prestige der Schularten denselben Rang einnimmt wie die alte Hauptschule.
  • Die Mittelschule entfaltet für die Eltern in der Phase des Übertritts nicht die beabsichtigte Attraktivität; ganz sicher nicht im ersten Jahr.

Zu den positiven Erfahrungen werden folgende Erscheinungen gehören:

  • Viele Schulleiter freuen sich über die größere Freiheit im Umgang mit dem Budget. Die Verbundsschulleiter erfahren eine größere Anerkennung (als „Quasi-Schulräte“).
  • Etliche Bürgermeister und Gemeinderäte freuen sich über ihre vergrößerten Gestaltungsspielräume hinsichtlich ihrer Schulen.
  • Einige Gemeinden freuen sich, dass sie durch den Schulverbund die Schließung eines ihrer Standorte verhindern konnten.
  • Viele Schüler und Eltern sind erfreut über die Tatsache, dass sie nun keine Hauptschule mehr besuchen, sondern eine Mittelschule.
  • Die Verantwortlichen (Bürgermeister, Schulleiter, Schulämter) vor Ort werden sich angesichts dieser Erfahrungen fragen, ob Aufwand und Nutzen in einem angemessenen Verhältnis stehen und ob sie die Mittelschule weiterhin umsetzen oder sich nach Alternativen umsehen sollen.

 Folgende Alternativen werden dabei bedacht werden:

  • die ausgeweitete Grundschule, entweder sechsjährig oder flexibel
  • die Sekundar-, Regional- oder Gemeinschaftsschule als Verbindung von Haupt- und Realschule mit Anschluss zur Oberstufe
  • die M5

Herbst 2011

  • Die negativen Erfahrungen werden die positiven überwiegen und so die Einführung der Mittelschule in weiteren Landkreisen im Herbst 2011/12 verzögern, teilweise auch verhindern.
  • Die Mittelschule wird in Bayern also auch zu diesem Zeitpunkt nicht flächendeckend umgesetzt werden.

2012 und folgende

In den Folgejahren werden weitere negative Erfahrungen gemacht werden:

  • Der bayernweite demografische Trend (weniger Schüler insgesamt) wird vor Mittelschulen und Schulverbünden nicht Halt machen.
  • Der seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bestehende gesellschaftliche Trend (Drang auf die Gymnasien und Realschulen) wird sich fortsetzen oder verstärken.
  • In den Verbünden werden die Auseinandersetzungen um die Gewichtung der Standorte intensiver geführt. An dieser Frage werden Schulverbünde zerbrechen.
  • Die Schließung von Standorten wird unvermeidlich sein.

Angesichts dieser Entwicklungen wird die kultusministerielle Führungsperson den Verantwortlichen vor Ort größere Freiheiten bei der Entwicklung alternativer Schulkonzepte einräumen. 

Warum nicht gleich so?